Während dieser zwei Wochen hatte ich einige Schlüsselmomente, doch der, der mir am meisten im Kopf geblieben ist, war, als das Dinkelfeld vom zu starken Regen plattgedrückt wurde.
Maaret (18), war 2 Wochen bei Familie Hösli

Mein Landwirtschaftspraktikum habe ich auf dem Biobauernhof der Familie Hösli durchgeführt. Alessandra und Werner Hösli wohnen mit ihren zwei Söhnen, Hendrik und Dorian, und zwei Katzen im Kanton Glarus.
Ihr Haus steht im Tal von Haslen, auf etwa 600 m ü. M. Sie pachten zudem die Auenalp, die ab 1000 m ü. M. liegt. Dort halten sie im Sommer 30 Kühe für Milchwirtschaft und 24 Rinder. Das Vieh wird über den Winter ins Tal getrieben und lebt für einige Monate im Stall auf ihrem Hof. Zudem haben sie Felder mit Mais, Dinkel und Graswirtschaft, aber auch Gemüsebeete und den Hofladen «Sand» im Tal. Im Hofladen gibt es das ganze Jahr über frische Eier, selbstgemachten Sirup, jegliche Arten von Gelee und weitere Lebensmittel zu kaufen. Die Eier kommen direkt von den eigenen Freilandhühnern.
Für das Landwirtschaftspraktikum habe ich mich entscheiden, da ich gerne eine Arbeitswelt sehen wollte, die ich sehr wahrscheinlich nicht einschlagen werde, aber trotzdem sehr spannend und interessant finde. Zudem hat mir der Gedanke gefallen bei einer anderen Familie mitzuleben und meinen eigenen Alltag für einige Zeit etwas zurückzulassen.
Bevor ich auf dem Hof angekommen bin, hatte ich Bedenken, dass ich nicht in die Familie reinpassen würde, doch diese Bedenken sind direkt verflogen, als sich mir alle sehr nett vorgestellt haben. Ich hatte die Vermutung, dass auf dem Land das Klischee der Männer- und Frauenrolle deutlich ausgeprägt ist, was ich auch gespürt habe. Doch da ich mich darauf eingestellt hatte, war es okay.
Meine Aufgaben über die zwei Wochen waren sehr vielfältig und abwechslungsreich. Ich habe sehr viele verschiedene Gelees und Sirup, wie z.B. Holunder-, Kokos- oder Kaffeesirup mit Alessandra für den Hofladen produziert. Zwischendurch habe ich die Kinder etwas unterhalten und auch das Eiersammeln und Abwiegen der Eier gehörten zu meinen Aufgaben.
Zu den körperlich anstrengenderen Arbeiten zählten für mich das Fensterputzen des Winterstalles und das Unkrautjäten und Güllen beim Kürbisbeet.
Doch die mit Abstand anstrengendste Arbeit war sicherlich das Unkraut mähen auf der Alp. Hier musste ich mit Alessandra und Werner auf steile Abhänge mit einem Fadenmäher das Unkraut mähen. Das ging ziemlich in die Arme und Beine.
An einem Morgen bin ich um 5 Uhr aufgestanden, um auf die Alp zu gehen und die Kühe zu melken. Insgesamt habe ich alles sehr gerne gemacht und habe überall sehr viel dazu gelernt.
Das Melken fand ich eine so aussergewöhnliche Arbeit, die ich vermutlich nicht so schnell noch einmal machen werde, dass ich freiwillig am Morgen darauf nochmals mitgegangen bin.
Während dieser zwei Wochen hatte ich einige Schlüsselmomente, doch der, der mir am meisten im Kopf geblieben ist, war, als das Dinkelfeld vom zu starken Regen plattgedrückt wurde. Hier habe ich gemerkt unter was für einem Druck die Landwirt:innen doch die ganze Zeit stehen und wie wetterabhängig sie sind. Das war mir zuvor nicht so bewusst. Als der Dinkel wieder etwas aufgestanden ist, habe ich mich richtig für Werner gefreut. Doch wahrscheinlich nützt es nicht viel, da immer noch ein Teil umgeknickt ist und sich somit trotzdem schädliche Pilze verbreiten können. Durch diesen Schlüsselmoment werde ich jetzt viel mehr wertschätzen, was für Hintergründe und wie viel Arbeit hinter jedem einzelnen Lebensmittel steckt.
Diese zwei Wochen haben mich auf meiner Wissens- und auch Selbstständigkeitsbasis um einiges weitergebracht. Zudem sehe ich jetzt viel besser, wie anstrengend das Leben als Landwirt:in sein kann. Ich war sehr glücklich mit der Familie Hösli und würde das Landwirtschaftspraktikum jedem empfehlen.